Diese Auswahl internationaler Wettbewerbsfotos zeigt neben den Gedanken hinter den Bildern auch einige technische Finessen.
Basta Pasta!
Da aber meine kreative Lust ungebrochen war, griff ich zu Pasta und Spraydose und schuf eine Serie von Arrangements.
Faszinierend dabei ist die scheinbare Metamorphose von Nudeln & Co. zu Metallteilen.
60 Jahre Arbeit
Das bescheidene, ehrliche Gesicht ist gezeichnet von 60 Jahren harter Arbeit als Maurer. Er ist müde, aber mit sich im Reinen, die Augen wach und klar wie ehedem.
Würdevoll hebt die mit dem Gesicht verschmolzene faserige Rinde einer Palme seine Furchen und Falten hervor. Das Zement-Grau der Fasern steht sinnbildlich für das Arbeitsleben des Handwerkers.
Ihre Majestät mit Entourage
Erhobenen Hauptes schreitet Ihre stolze Majestät leichtfüßig elegant voran und kümmert sich nicht, was die Welt von ihr denkt. Festen Blickes überstrahlt sie ihre Entourage, die nach Rang und Größe geordnet und geziemt gesenkten Kopfes hinterherwedelt. In Bedeutungslosigkeit versinkt der Hausmensch ohne Gesicht, reduziert auf seine Funktion als dienendes Bindeglied zwischen Regentschaft und Gefolge.
Resilienz
Krach as Fuck
Die extravertierte junge Frau zieht durch die Flohmärkte auf der Suche nach Accessoires für ihr Outfit. So unbekümmert und natürlich, wie sie sich durchs Leben bewegt, posiert spontan sie vor der Kamera.
Dank eines Fehlers bei deren Wartung entstand genau der perfekte Defekt, der den High-Key-Effekt bei diesem Porträt provozierte. Model und Fotograf waren davon beide gleich begeistert.
Salto vitale
Härter als der Rest
Explosionsartig löst der Startschuss die in langem, hartem Training aufgebaute Energie und die vor dem Wettkampf angestaute Nervosität.
Das Adrenalin schießt so hoch wie das Wasser, in das sich die Athleten wild entschlossen stürzen. Aus dem einsamen Kampf gegen den inneren Schweinehund wird endlich ein Kampf gegen die Masse, die genauso alles gibt. Jeder will es wissen: Bin ich härter als der Rest?
Den entspannten Kontrapunkt bildet das obligate Publikum, das sich locker auf die Absperrung lehnt und einfach die Show genießt.
Silhouetten-Laufsteg
Eine Passerelle wird zum Lauf- und Rollsteg des Lebens für ein spontanes, vorüber gehendes Schattenspiel. Haltung, Bewegung, Gestik der Passanten sind persönlich, doch bleibt im Gegenlicht das Individuum fast schwarz und somit unerkannt. Personen werden als Silhouetten zu anonymen Foto-Kunstobjekten, zu Mensch-Kulissen, die dennoch ihre Befindlichkeit offenbaren.
Fischerland
An einem neblig grauen Wintermorgen stehen zwei Fischer in ihrem winzigen Boot auf dem See. Mit zäher Ausdauer trotzen sie stunden-lang Kälte, Nässe und Wind in der Hoffnung auf einen guten Fang.
Obwohl nahe am Ufer, wird ihre Nussschale für sie zum Zentrum ihrer weit entfernten Welt.
Hungrige Stühle?
Der Sommer steht vor der Tür, die Gartenstühle ruhen aufeinandergestapelt und zusammengebunden. Nur ihre Beine scheinen sich schon zu bewegen, als wollten sie endlich die Saison eröffnen.
Dank eines Fehlers bei der Wartung der Kamera entstand genau der perfekte Defekt, der den High-Key-Effekt dieses unbeabsichtigten Arrangements ermöglichte.
Na und?!
Sie kümmert sich nicht um Konventionen. Dennoch hat sie ihr Erscheinungsbild sorgsam arrangiert. Bis hinunter auf das Tattoo ist alles stilvoll aufeinander abgestimmt. So wirkt sie trotz ihrer dezenten Extravaganz natürlich und strahlt unaufdringliches Selbstbewusstsein aus.
Sie weiss, dass sie im uniformen Grau des Mainstreams einen wunderbaren Farbtupfer bildet.
Racoony
Das menschliche Auge vergleicht immer mit Bekanntem, sieht gerne Wesen im Abstrakten. Die Grenze zwischen Realität und Fantasie verschwimmt, die Bullaugen eines Schiffes werden als Wasserspiegelung zu lebendigen Augen.
Ist das ein Waschbär? Ein Einbrecher mit Maske? Sind da Arme? Oder ist das einfach «nur» ein faszinierendes Bild?
Dandy
Das menschliche Auge sucht immer nach Bekanntem, sieht gerne Wesen in zufälligen Formen. Im Wasser widerspiegelt der Pfosten einer Bootsanlegers. Auf der Grenze zwischen Realität und Fantasie wird er zum spanischen Edelmann mit Schnäuzchen und Monokel. Lüftet er galant den Hut, während Fabelwesen hinten an ihm hinaufkriechen?
Oder ist das bloss eine schöne abstrakte Wasserspiegelung?
Keine Zeit zum Träumen
Wenige Schritte vor dem Werbeplakat mit einer fast klinisch sauberen Luxusvilla verdient sich ein Strassenbauer in der prallen Sonne seinen Lebensunterhalt mit harter Arbeit. Dabei ist er so vertieft, dass ihm die so nahe wie unerreichbare Werbe-Traumwelt nicht auffällt.
Wer würde an seiner Stelle nicht gerne die teerverschmierte Arbeitskleidung ablegen und in den kühlenden Pool springen? Wer hingegen möchte mit dem Handwerker tauschen? Aber er steht mit beiden Füssen auf dem Boden der Realität.
Fertig!
Nach seiner nasskalten Nachtschicht stapft ein Bahnarbeiter den Gleisen entlang in Richtung Wärme. Die Stirnlampe ist aus, der Tag kommt.
Eingeschaltet sind dagegen die Lichter des Autos hinter ihm, in dem jemand frühmorgens in die entgegengesetzte Richtung zur Arbeit fährt.
Keine Gnade
„Hau ab!“ – „Nein, das ist mein Revier.“
Sofort eskaliert die Situation. Gnadenlos gehen die beiden Erpel einander an die Gurgel, hacken, schnappen, rupfen.
Auf und ab tobt der Kampf, dass es nur so spritzt und die Federn fliegen.
Noch auf der Flucht wird der Verlierer mit Hieben eingedeckt.
„Und lass dich hier ja nicht mehr blicken!“
Polarpony
Was nach invertierter veterinärmedizinischer Wärmebildaufnahme aussieht, beruht in Tat und Wahrheit auf einer simplen Sensorstörung. Diese macht aus einem ohnehin schon sehr widerstandsfähigen Islandpony ein eisig blaues Polarpony, perfekt angepasst an das Leben im ewigen Eis. So schafft der Fotograf durch eine perfekte Fehlerfolge im Bruchteil einer Sekunde, wozu die Natur Jahrmillionen braucht.
Fliehender Fluchtturm
Ein einziger Sonnenstrahl verwandelt die funktionale, steril kalte Konstruktion einer Fluchttreppe in eine lebendige Schwarz-Weiß-Skulptur. Die strengen geometrischen Formen erwachen, sie werfen verzerrte Schatten, mit denen sie verschmelzen, sich multiplizieren und überlagern.
Dabei entstehen neue Strukturen, die an die Abschussrampe einer Mondrakete erinnern. Plötzlich scheint der Rettungsturm selbst ins Dunkel entliehen zu wollen.
Ein Blase voller Glück
Ja, klar sehen Sie den Smiley. Seine Fröhlichkeit. Die Straßenbahn. Deren kopfstehende Spiegelung in der Seifenblase? Das schiefe Lächeln? Ach, das ist die Umrandung der Verkehrsinsel! Die schimmernden Lichtspiele, die Blasen in der Blase.
Vielschichtig, leicht und schwebend zieht sie an uns vorüber. Die intensive Mischung aus Schönheit und Vergänglichkeit weckt ein wehmütiges Glücksgefühl. Denn das Glück ist verletzlich und flüchtig wie eine Seifenblase.